Spiegelgrotte

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Die Spiegelgrotte

In der Nähe der ehemaligen Boreas-Mühle auf dem heutigen Museumsberg ließ der Flensburger Kaufmann Andreas Christiansen in seinem weitläufigen ca. 25 ha großen Landschaftsgarten ca. 1820 die „Spiegelgrotte“ errichten.

Neben der Mumiengrotte gehörte diese Grottenanlage zu den kuriosesten Einrichtungen des Gartens und hat sich bis heute erhalten.

Dieser unterirdische achteckige Kuppelbau wird durch spitzbogige Nischen in den Wänden und in der unteren Kuppelzone gegliedert. Die Beleuchtung erfolgt über ein rundes Oberlicht.

Zwei Zugänge sind mit grob behauenen Feldsteinen grottenartig eingefasst.

 

... einzigartig und nur in Flensburg!

Diese einzigartige Anlage bildete bis in die 1880er Jahre eine der Attraktionen in Flensburg.

Schon Leonardo da Vinci (1452 bis 1519) entwarf ein oktogonales Spiegelkabinett, zu dem er sich wie folgt äußerte:

„Wenn Du acht ebenen Flächen machst ... und so im Kreis anordnest, dass sie ein Achteck bilden ..., dann kann der Mann darinnen sich von allen Seiten unendlich oft sehen!“

Die bis in die Gründerzeit als Anziehungspunkt geltende Spiegelgrotte geriet dann in Vergessenheit und verfiel.

Auch eine grundlegende Sanierung Mitte der 60er des 20. Jahrhunderts erreichte nicht, die herausragende Be­deutung dieser Grotte wieder aufleben zu lassen.

 

Philosophie und Mystik

Der Betrachter sieht sich nicht nur unendlich oft, sondern auch in Ansichten, die dem Auge allein verborgen bleiben, d. h., für das Auge vom gegebenen Standpunkt nicht wahrnehmbar sind.

Die Spiegel geben somit schon im Abbild Sichtbares und Unsichtbares wieder – und zwar in einem kleinen, unter­irdischen, doch durch die Spiegelungen grenzenlos er­scheinenden Raum. Leider werden diese Wirkungen auf­grund des derzeitigen baulichen Zustandes – es fehlen Spiegel und die Anlage verfällt – nicht deutlich.

Fragen nach der Unendlichkeit, den Grenzen und Dimensionen von Raum und Zeit werden in dieser ge­heimnisvollen Spiegelgrotte aufgeworfen. Die Funktion des Spiegels geht hier weit über eine rein sinnliche Wahrnehmung hinaus in den transzendenten Bereich der Selbsterkenntnis – er wird zum Mittel der Persönlichkeitsbildung.

 

Freimaurerei

In Zedlers Universallexikon (1732 – 1750) heißt es:

„Die Spiegel sind zu keinem anderen Zweck erfunden worden, als dass man die Würde des menschlichen Geschlechts, und des allmächtigen Schöpfers unaussprechliche Weißheit darin betrachten möge.“

Auch die achteckige Form de Grundrisses der Spiegel­grotte kommt nicht von ungefähr; sie symbolisiert „Auf­erstehung, Vollkommenheit, Neubeginn und spirituelle Wiedergeburt“ – daher kommt dem Oktogon auch in der Freimaurerei, z. B. als Grundriss von Freimaurertürmen, eine gewisse Bedeutung zu.

In diesem Sinne könnte die oktogonale Grotte in Flens­burg als Ort der Selbsterkenntnis und damit Station eines freimaurerischen Prüfungsweges interpretiert werden und hätte einen inhaltlichen Zusammenhang mit der Mumien­grotte.

 

Sanierung

Die Nichtnutzung dieses „unterirdischen Gebäudes“ hat im Laufe der vergangenen 40 Jahren dazu geführt, dass dieses bedeutende Ausstattungselement einer Garten­anlage in Verfall geriet.

Auf Anregung des Förderkreises Christiansenpark e. V. ist mit Unterstützung durch das Landesamt für Denkmal­pflege Kiel und durch Glücksspielerträge des Landes Schleswig-Holstein mit Förderung durch Mitglieder des Förderkreises und Flensburger Bürgern eine Finanzierung sichergestellt worden. Die Sanierung konnte somit ab Herbst 2008 bis in den Sommer 2009 vorgenommen wer­den. Die Stadt Flensburg – Kommunale Immobilien – hat bei Übernahme der Hälfte der Gesamtkosten (100 Tsd. €) die Ausführung der sensiblen Arbeiten vollzogen.

Eine bauhistorische Begleitung durch das Büro Raddatz, Flensburg hat vertiefende Erkenntnisse zur baulichen Entstehung geliefert. Trotzdem bleiben viele Fragen zur historischen Nutzung und den Ideen des Erbauers offen, da keine begleitenden Beschreibungen vorliegen.